Wildheit, Verwandlung, Elektro-Schmelztiegel: „Hunter“ von Björk vereint alles, was Popmusik Ende der 90er spannend machte. Zwischen beatscher Kraft und hypnotischem Gesang tummelt sich eine Jägerin, die schlicht keine Lust mehr hat, in ihrem Nest zu sitzen – sie will das Abenteuer suchen. Kaum verwunderlich, dass Björk die Produktion mit ihrem Partner-in-Crime Mark Bell wortwörtlich durch den Wolf drehte und synthetische Soundlandschaften schuf, denen so schnell keiner noch das Wasser reicht. Mittlerweile tanzt Frau Guðmundsdóttir längst zwischen den Genres – Oper, KI-Musik und Umweltaktivismus inklusive. Währenddessen bleibt „Hunter“ ein Meilenstein – nicht nur für alle Trip-Hop-Fans, sondern auch für die, die wissen wollen, wie isländische Legenden, Techno-Gymnastik und feministische Symbolik zu einem treibenden Dreiminüter verschmelzen. Wer heute zur Björkschen Klangsuche ansetzt, findet garantiert immer ein neues, wildes Detail.