Man kann viel über die Ära der Synthesizer sagen, aber wenn Alison Moyet sich an ein Mikrofon setzt und von den kleinen, kaum greifbaren Momenten des Alltagsleben singt, stehen sogar hartgesottene New-Wave-Fans still. „Ode To Boy“ ist ein Song, der vermutlich nie für den Dancefloor oder das große Rampenlicht gedacht war — und gerade deshalb so besonders bleibt. Mit minimalem elektronischen Gestus wird plötzlich ganz große Lyrik geboten. In einer Zeit, als Pop noch plakativ und männlich dominiert war, stiehlt Moyet mit nur wenigen Zeilen subtil die Show.Auch nach Yazoo hat Moyet sich die Neugier auf verschiedene Arrangements und Stimmungen bewahrt: Egal ob Orchestral, experimentell oder deep electronic — „Ode To Boy“ kehrte mehrfach in ihr Solorepertoire zurück, manchmal leise, manchmal krachend. Und während Vince Clarke längst mit Erasure den nächsten Electropop-Gipfel erklomm, bleibt „Ode To Boy“ ein melancholischer, aber warmer Beweis dafür, dass weniger tatsächlich manchmal mehr ist. Wer wissen möchte, wie viel Aussagekraft ein Synthie und eine gute Zeile haben, dem sei dieser Song ganz dringend empfohlen.